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Reiseberichte aus Afrika

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Turkana-See  Reisebericht 31. Mai bis 7. Juni 2015

31/05/2015 Lodwar, South Turkana National Reserve, Kainuk

Es ist schon ein beeindruckender Flug von Nairobi über Eldoret nach Lodwar/Turkana. Wir sehen Mt Kenya, Mt Elgon, den Turkwel Damm und wir nähern uns dann allmählich der Halbwüstengegend der Turkanaregion. Wir fliegen über grünes Land, Berge, Flüsse, die Besiedlung wird immer dünner und dann wird es trockener. Der Turkwel Fluss ist eine grüne Ader in dem beige-braun. Die Jesus Statue auf dem Mission Hill am Flughafen von Lodwar ist schon recht bizarr, sie erinnert natürlich an Rio de Janeiro, der Jesus in Miniatur und der Zuckerhut auch nicht so hoch. Der Flughafen von Lodwar ist so ähnlich wie unser alter früher auf Manda, ein bisschen provisorisch, nett und einTanz 2fach und tut es auch. Das uns gleich als erstes zur Begrüßung etwas vorgetanzt wird, damit habe ich nicht gerechnet. Ich merke, wie ich doch eben kein so richtiger Tourist mehr sein kann. Hier wird mir jedenfalls klar, unsere Reisegruppe ist hoher Besuch. Die ersten Eindrücke sind die vielen Farben der Kleidung, der Shukas und natürlich des Halsschmuckes der Frauen. Alles kennt man bereits von Bildern aber Bilder sind eben doch nicht so richtig nah dran. Wir sind eingeladen in den Kreis, mittanzen ist immer willkommen. Ich halte mich etwas zurück, bin mehr mit meiner kleinen Canon beschäftigt, das Licht hier ist so grell wie
am Strand von Lamu. Ich bin fasziniert, wie anders die Menschen hier sind, anders als auf meiner gewohnten Insel, es ist immer noch Kenia und das schrille Trällern der Frauen beim Singen ist ein gemeinsamer Faktor, anzutreffen bei allen Volksgruppen in dieser Region. Hier jedenfalls treffen wir, das sind bislang Hardy, Barbara, Steffi, Lawrence und ich unsere Gastgeber Shemmy, County Director of Tourism und das Team welches uns streckenweise oder während der ganzen Tour begleiten wird. Kontakte unten, einer fehlt mir allerdings, nämlich der von Mathew, dem obersten Boss hier im Tourismus. Die weiteren Personen im Team sind James, County Director Trade, Induturkanastrialization & Enterprise Development, Kakalel (Kosename Kaka) PA to County Executive und unsere Fahrer für die beiden Autos sowie zwei Police Admin Herren, die mit ihrer Uniform und Ihrer Bewaffnung dem ganzen einen wirklich sehr offiziellen Anstrich geben. Wir sind zwar keine Politiker aber irgendwie gehört so eine Eskorte dazu, ich
denke wir sind VIP. Das Tanzen will fast nicht aufhören, das lernen wir im Laufe der Reise noch, man tanzt wirklich sehr gerne im Turkanaland. Wir brechen auf, fahren am Rande von Lodwar hinaus in die Natur zu einem Picknick Frühstück unter einem Baum. Jeder sitzt auf einer geflochtenen Matte (Mkeka aus Doum Palmen) und wir bekommen jeder eine karierte Shuka, wie wir sie auch als Maasai Bekleidung kennen. Wir trinken köstlichen gewürzten Tee, ähnlich dem Swahili Tee, wir essen Mandazi und andere Gebäcke und als kaltes Getränk wird ein Wassermelonensaft gereicht. Wir beschnuppern uns, sprechen über die Anfänge des Tourismus im Turkana County, tauschen erste Informationen und Ideen aus.
Hier wird nun die Buschtoilette eingeführt, die Frauen auf die eine und die Männer auf die andere Seite, genug Busch ist dort, man könnte eventuell von einer Ziege beobachtet werden. Ziegen gibt es reichlich und fast überall. Wir fahren dann in Richtung Lokichar durch Buschland mit Akazien und es ist schon klar, dieses Land hat sehr karge Gebiete. Wie lebt der Mensch hier? Büsche und Bäume sind überwiegend dornig, kleine Siedlungen und einzelne Häuser sind weitgestreut, die Form ist dem des Iglus ähnlich. Die Bauweise ist von Ort zu Ort etwas unterschiedlich, alles aus Doum Palmen hergestellt. Die Fahrt auf der Sandpiste geht vorbei an Bergketten am Horizont, wenn man aus Lamu kommt, ist schon allein das eine Reise wert. Das Panorama ist traumhaft, eigentlich überall, wie ich jetzt, nach der Reise, weiß. Auffallend ist das Wolkenbild, Hardy nennt es Wolken, die auf einer Glasplatte liegen, die sind unten alle flach, dieses hängt vermutlich mit der Temperatur zusammen. Die Pastoralisten lesen aus den Wolken, wo es Gras und Wasser gibt. Turkana, ärmste Region Kenias, mit 70k q/km fast doppelt so groß wie die Schweiz. In dieser ‘Schweiz‘ fahren wir am ersten Tag circa 290 km. Wir kehren zum Mittagessen ein in einem einfachen Gästehaus mit dem Namen ‘Another Chance Guest House‘ in Lokichar, dort ist alles in orange, grün, blau angemalt, sehr fotogen. Wir essen Chapatis, Reis, Sukuma Wiki, Fleisch und ich bekomme meine Bohnen (Maharagwe). Gourmetland ist das nicht und man darf auch gerne offen sein für ein Gastronomieunternehmen mit Plastiktischdecken und Coka Cola Bestuhlung. Das gehört alles mit zum Erlebnis und es schmeckt uns. Die einfache Hausküche ist sehr angemessen.
Begrüssung 1
Nach dem Mittagessen fahren wir weiter Richtung Süden zum South Turkana National Reserve. Interessant: man trifft hier wirklich noch auf ältere Frauen, die ‘oben ohne‘ laufen, dabei jedoch aufwendigen Halsschmuck tragen, Halsketten, welche in ihrer Anzahl sehr schwer aussehen. An den Farben soll der Eingeweihte Stamm und Reichtum erkennen, dieses wird sich uns sicherlich nicht eröffnen. Die Männer allesamt, alt und jung, es sei denn, sie sind modern gekleidet, tragen Shuka, Stock und Headrest/Hocker. Wir lernen, der Headrest wird nicht einfach so von anderen benutzt, es muss schon Verwandschaft und/oder die gleiche Altersgruppe sein, denn sonst wird einem der Hocker am Hintern festkleben, sollte man auf dem ‘verbotenen‘ sich niederlassen. Jedenfalls ist Turkana Welten von Nairobi entfernt, man kann sich wirklich fragen, ob man noch in demselben
Land ist. Wir fahren immer wieder an sehr breiten und damit auch sehr auch sehr beeindruckenden Sandflussbetten vorbei, würde diese Wasser führen wären dies anschauliche Flüsse. Wir haben nun auch schon etwas Kontakt mit der Sprache gehabt und natürlich spricht das Team untereinander eher Kiturkana als Kiswahili oder Englisch. Wir fragen uns was da die Sprachverwandschaft ist und wir lernen, dass die Sprache der Turkana verwandt ist mit derer der Karamojong aus Uganda, der Nyang’atom aus Äthiopien und der Toposa aus dem Süd Sudan.
Wir erfahren auch, dass die Landesgrenzen nicht den Stammeszugehörigkeiten entsprechen und das es immer wieder Berge bei Lokiriama TurkanaseeKonflikte gibt mit den benachbarten Bogoria, Pokot und den Samburu, am heftigsten jedoch mit den Pokot, wo in großem Stil oft Tiere gestohlen werden und das geht häufig mit Gewalt einher. In diesen Grenzgebieten ist Vorsicht geboten, aber das sollte uns eigentlich nicht betreffen. Jetzt bin ich allerdings weit vom Weg abgekommen, wir sind ja immer noch unterwegs in Richtung South Turkana National Reserve. Es wird immer grüner und grüner und immer diese Berge und diese Wolken. Man kann so richtig durchatmen, es ist wunderschön. Wir treffen auf unsere KWS Ranger, die uns durch das Reservat begleiten sollen. Mbaka ist der Boss, sehr sympathisch und ein wunderbares Lachen. Es gab einige Elefantensichtungen und man rechnet mit circa 600 in dieser Region, dies ist natürlich der Traum, einigen davon zu begegnen. Hardy hat uns bereits erklärt, alles was kreucht und fleucht wird gegessen von den Turkana, alles was man essen kann wird oder wurde gejagt. Das Reservat ist sehr schöne Savannenlandschaft und trotz unserer wirklich recht ausgedehnten Pirschfahrt sehen wir nicht sehr viele Tiere. Die meisten Begegnungen sind mit Dik Diks, die ja oft als Paar unterwegs sind, und mit Warzenschweinen. Immerhin. Vögel sehen wir auch einige, dVeranda Safari Plazaa lohnt es sich nachzuhaken mit Vogelliste und Vogelbestimmungsbuch. Der Tag neigt sich dem Ende und in der Kühltasche ist ein kaltes Bier für uns, der Sundowner wird im Fahren eingenommen und wir schießen noch ein paar sehr nette Sonnenuntergangsbilder, das muss einfach immer wieder sein. Hardy ist sehr fasziniert von den Gräsern, das steckt an, die sind wirklich toll, vor allem in diesem Licht. Zur Nacht checken wir in einem einfachen jedoch sauberen Gästehaus ein, der Ort ist Kainuk und dies ist einer Grenzstadt zur Pokotregion. Unsere Bleibe trägt den Namen Safari Plaza. Ich kann die nicht finden auf Trip Advisor, habe nur eine Seite gefunden mit ein paar Bildern, siehe unten. Strom macht der Generator und die Dusche ist heute eine Becherdusche, d.h. mit einem Schöpfgerät und einem Eimer gießt man das nicht sehr kühle Nass über den Körper. Auf der Veranda zur Hauptstrasse hin gibt es Abendessen. Es unterscheidet sich nur unwesentlich von unserem Mittagessen, die Matratze ruft. Wir besprechen noch einen Aufbrauch am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang, sodaß wir vielleicht erhöhte Chancen haben, die Elefanten zu sehen. Frühstück wird dann wieder eine Picknickveranstaltung.

01/06/2015 Kainuk, South Turkana National Reserve, Lokori, Lodwar

‘Before the crack of dawn’ sozusagen, alle kommen pünktlich aus den Federn, brechen wir auf. Die Hotelbar unserer Pension in Kainuk hat gar nicht zugemacht, die sind rund um die Uhr geöffnet, es war auch etwas unruhig in der Nacht, nicht laute Musik, aber immer schien irgendwo etwas zu scheppern, Stimmen, Türen, es war nicht die ideale Nachtruhe. Das Hoteli hat uns Picknickfrühstück gepackt und wir machen uns wieder mit den zwei Autos auf den Weg in das Reservat South Turkana National Reserve. Dieses Gebiet ist etwa 1.000 Quadratkilometer groß und wir wollen darin nun die 600 Elefanten, bzw. einige davon, sehen. Es ist einfach schön, die Sonne in der Natur aufgehen zu sehen, ich träume von Camping. Wir fahren durch Savanne, die üblichen Bäume sind Akazien und viel Gebüsch. Auch hier wieder diese breiten Sandflussbecken, die einen einladen abzubiegen, um sie zu erkunden. Der frische Geruch von wilden Kräutern weht uns um die Nase und wir erfreuElefanten Turkanaseeen uns an den vielen schönen Gräsern, die bereits im Abendlicht am Vortag so schön aussahen. Wir sehen recht häufig Dik Diks aber sonst nicht sehr viel Wild, die Elefanten wollen sich nicht sehen lassen. Wir sehen irgendwann jedoch Dung, überall, frisch, halbtrocken, einfach viel und häufig, welches ja auch schon etwas ist, zu wissen, sie sind da, irgendwo im Busch. Die Vogelwelt ist jedenfalls recht interessant, wir sehen einige Greifvögel, vermutlich Goshawk oder Sparrowhawk, sicherlich Bateleur und den Corey Bustard sowie Hornbill und Go Away Bird. Auch Bäume mit vielen bewohnten Webernestern sehen wir und, wir können es kaum fassen, drei Elefanten circa 50 Meter entfernt, die verschwinden leider recht schnell wieder im Busch und das war es auch, mehr Elefanten werden wir nicht mehr zu Gesicht bekommen. Aber es ist schön zu wissen, hier gibt es sie auch. Wir geniessen Landschaft (ach, diese Berge!), lassen uns den Wind um die Nase wehen und hoffen weiterhin auf mehr Elefanten. Eine Grant Gazelle entdecken wir, also es gibt doch noch ein paar Tiere hier. Frühstück ist im Sandflussbett wieder auf Mkeka und Shuka sitzend, das sind einfach nette Kleinigkeiten, die wir alle zu genießen scheinen und die zur Routine auf unserer Safari werden. Wir werden an diesem Tag insgesamt 250 km fahren, wenn man nicht mehr Tiere garantieren kann, dann ist das sicherlich auch so nicht einfÄlteste bei Standing Stones 2ach zu verkaufen. Das muß man einfach wissen und wer die anderen Attribute dieses Gebietes nicht genießen und würdigen kann, der wird vermutlich enttäuscht. Die Landschaft ist schön, wenn man dort campen könnte wäre es auch eine Attraktion, so finden wir. Vielleicht kann es ein touristisches Mekka werden für Vogelinteressierte, Wanderungen wären eine Option aber es ist schon auch recht nah an Pokot Terrain dran. Wie das dann mit der Sicherheit ist, ist vielleicht eine zu klärende Frage. Die geplante Eco Lodge Anlage schauen wir nicht an, mir wird erst jetzt klar, jetzt wo ich dies schreibe, dass wir das geplant hatten. Vielleicht kann wachsender Tourismus dazu beitragen, dass die wilden Tiere im Turkanaland es in Zukunft besser haben, sprich nicht mehr im Kochtopf landen. Wir verlassen das Reservat, das Tor dazu umfahren wir, es ist noch nicht offiziell eröffnet. Ist auch herrlich, das Tor ist geschlossen aber man fährt halt seitlich rein.  Wir fahren weiter in Richtung Lokori zu den Standing Stones, geraten aber vorher noch in die Madaraka Festivitäten in Lokori, wo Schulklassen den Ehrengästen etwas vortragen während in verschiedenen Ecken eines großen schattigen Platzes verschiedene Tanzgruppen das tun, was man hier gerne tut, tanzen. Die Männer wieder mit ihren imposanten Straußenfeder Kopfbedeckungen, die Frauen, bunt gekleidet und mit vielen Halsketten und breiten Perlengürteln geschmückt. Mir wird erklärt, dass in den Gesängen, die zu den Tänzen gesungen werden, das Vieh besungen und in eFrau bei Standing Stonesinem anderen Gesang, die Führerschaft des Turkanavolkes gepriesen wird. Hier könnte man sicherlich den ganzen Tag mühelos verbringen, hier ist Fotomaterial ohne Ende vorhanden. Man könnte sich auch einfach in eine Ecke hocken und das bunte Treiben beobachten. Aber wir müssen weiter, zu den Steinen. Auch hier wieder ein sehr beeindruckender Empfang der Ältesten, Frauen und Männer des nahegelegenen Dorfes. Man tanzt, wir wundern uns nicht mehr, und dann kommen die Männer vor und wir hören und fragen und man übersetzt, was es mit dem Ort der stehenden Steine auf sich hat. Irgendwann in der Vergangenheit da hörten die Menschen des Dorfes Stimmen nahe beim Ort, dort oben auf dem Hügel, Tanzen, Singen und wenn sie dort hingingen, dann sahen und hörten sie nichts. Die Tiere, die Ziegen, sind aber wie verschreckt an diesem Ort. Man erzählt sich die Geschichte, daß die Vorfahren dort getanzt haben und eine fremde Frau zu ihnen kam, die anders aussah als die anderen und komisch gekleidet war (vielleicht nackt?). Diese Frau jedenfalls sagte, man möge nicht über sie lachen und gesellte sich zu den Tänzern. Diese lachten nun doch über die Frau und sie wurden daraufhin zu Stein, blieben in ihren jeweiligen Positionen erstarrt, dieses sind die Standing Stones. Irgendwann kamen die Weißen (Missionare?), die haben bewirkt, dass die Stimmen nicht mehr zu hören sind, der Spuk scheint vorbei. Ich frage in welchem Jahr diese Weißen gekommen sind, doch man weiß es nicht. Geschichte wurde hier eben nicht schriftlich festgehalten. Wir steigen den Hügel gemeinsam mit den Dorfbewohnern hinauf und besuchen die Steine. Diese sind in Kreisen aufgestellt, doch einige Kreise scheinen nicht komplett zu sein, manch ein Stein ist gebrochen und Hardy, der die Stätte ganz gut kennt, meint, die Anlage hätte sehr gelitten seit seinem letzten Besuch. Wir raten unserem Begleitteam, den Ältesten zu sagen, dies solle doch vielleicht geschützt werden durch Zäune zum Beispiel, denn dieser Ort ist besonders und hat auch etwas zu bieten, nämlich Turkana Kulturerbe. Man nimmt das als eine gute Idee an und wir hoffen, es wird auch umgesetzt werden mit Hilfe der entsprechenden Offiziellen. Den Hügel weiter hoch findet man ‘Rockart’, Felsenzeichnungen. TARA, Trust for African Rock Art, pflegt dieses Erbe. Ich komme gerade in dieser Situation mit der Hitze nicht so gut zurecht und habe nicht die Muße, mir diese spiralförmigen Felsenzeichnungen anzuschauen, ich sehne mich nach Schatten und steige ab, der Vormittag wäre für diesen Besuch besser geeignet. Unten ist Barbara bereits von Frauen umringt, die, wer hätte es geahnt, mit ihr tanzen und ich bin Barbaras Erlösung. Nun bin ich dran, sie darf sich ausruhen. Eine alte Frau nimmt mich unter ihre Fittiche, mit sehr sehr rauen Händen werde ich angefasst und irgendwie irritiert mich doch etwas, warum sie mit ihrer Hand so nah an meine Brust kommt. Ich interpretiere diese als Neugierde, vielleicht will sie wissen, wie sich so ein weißer Busen anfühlt. Reden können wir ja nicht, auch Kiswahili ist nicht unbedingt selbstverständlich in Turkana. Der Geruch der Menschen erinnert mich jedenfalls stark an meine Busreisen in Tanzania, wenn ein Maasai Turkana Reisebericht 31. Mai bis 7. Juni 2015 mitfuhr, dann war da immer so ein archaisches Geruchsgemisch von Ziegen, Fett & Feuerstelle. Es ist alles ganz vertraut. Welcome back home? Wir fahren wieder nach Lodwar, unserem gestrigen Ankunftsort, dort steigen wir ab in einem bizarren neugebauten Hotel, jedes Zimmer in einem kleinen Häuschen, es ist das Sandfields Lodwar Camp und die sind noch mitten im Bau. Ich glaube es gehört einem höheren Tier im Tourismus Sektor. Das Hotel spricht nicht den Markt an, den wir im Sinn haben, wir haben dort auch keine Preise eingeholt. Ist recht lustig eingerichtet und will sich sehr modern geben. Die finden bestimmt auch ihren Markt im Land. Hier findet jedenfalls ein offizielles Essen statt mit Leuten aus dem Turkana Tourismus. Wir tauschen Ideen aus. Die Runde erinnert mich sehr an Lamu, wo wir auch versuchen, kleine Anbieter mit einzubeziehen. Das ist noch ein weiter Weg aber irgendwo muss Turkana ja anfangen. Wir hoffen, man wird hier nicht Dubai kopieren und ich würde auch davon abraten mit JetSkis über den See zu brausen. Ich finde des weiteren, die sollen sich unbedingt an den alten und manchmal müden Tourismusgebieten orientieren. Einer war da, der sprach in höchsten Tönen von Mombasa. Ich wäre vorsichtig, den Diani Tourismus oder ähnliches versuchen zu kopieren.
http://africanrockart.org/tara-african-rock-art-photo-gallery/kenya/

02/06/2015 Lokiriama Peace Accord Monument, Loima Hills, Lodwar,
Turkana Basin Institute (TBI), Turkwel River

Heute bekommt die Gruppe Zuwachs. Neben Barbara aus Köln, Steffi aus Berlin und LawrenceAm Eingang zum STNR aus Nairobi kommt nun Jeroen aus Amsterdam dazu. Auf dessen Ankunft warten wir, nach dem Frühstück und seiner Ankunft brechen wir auf in Richtung Westen nach Lokiriama in die Nähe der Grenze zu Uganda. Wir sehen wieder diese sehr breiten und beeindruckenden Sandflussbecken und lernen etwas über den Bohnenbaum, der im August Früchte trägt, die man kochen und essen kann und der auf Kiturkana Edapol heisst. Anschaulich sind auch, wir haben sie bereits viel im Reservat gesehen, die sehr schlanken und hohen Termitenhügel. Sehr beeindruckend sind die Loima Hills, hier gibt es potentiell jede Menge zu erleben, wenn man wandern möchte und Hardy deutet auch auf einen Felsen, wo man Felsklettern machen könnte. Die Landschaft hier ist wunderschön, die Bilder können das besser ausdrücken als meine Worte. Nahe des Dorfes von Lokiriama melden wir uns beim Chief und District Officer (DO) der Region an, der dann mit uns mitfährt. Das Ziel unserer Fahrt ist das Friedensmonument, dort wurden im Dezember 1973 buchstäblich die Waffen begraben nach dem langen und blutigen Kampf zwischen Kenianischen, Ugandischen Stämmen und Stämmen aus dem Südsudan. Die Stämme sind Turkana, KaramojTurkana Basin Institut Sonnenuntergang mit Turkwel Flussong, Tepes, Pokot, Marile, Nyan’gatom, Toposa und Jie. Nach dem Besuch beim Monument wird wieder getanzt, erst die jungen Leute, dann die alten. Hier entdecke ich bei einem Zuschauer, er trägt es am Arm wie einen Armreif, das ‘Wristknife’, das Messer, welches sozusagen wie Schmuck getragen. Ich kaufe später eines. Es hat so was uriges, diese platt gehauene Metall mit Leder als Schutz der Klinge und dem Geruch einer Turkana Manyatta. Zum Abschluss gehen wir noch in das Dorf, die in der Region übliche Boma. Leider liegt dort recht viel Plastikmüll, das ist ein Problem. Mit dem steigenden Bedarf an ‘Konsumgütern‘ steigt der Müllberg und da es keinerlei Infrastruktur gibt, dies zu sammeln oder gar abzuholen, bleibt alles einfach liegen. Je entlegener die Menschen wohnen, um so weniger Müll gibt es, der Zahn der Zeit wird aber sicherlich nirgendwo haltmachen. Das kenne ich aus Lamu auch, so einen drastischen Wandel gab es zwar in meiner Zeit nicht, aber es wird eindeutig heute viel mehr konsumiert, Verpacktes gekauft und die Verpackung dann einfach in die Gegend geworfen. Ich sammele es ja immer vom Strand auf, ich habe den Müllblick. Der Eingang in so eine Hütte ist hier sehr niedrig gehalten, der hochgewachsene Mensch muss sich sehr bücken. Innen turkanaboyist es erstaunlich kühl und alles findet in diesem kleinen Ort statt. Kochen, essen, schlafen, alles. Zwei Hütten besichtigen wir, mit Steffi diskutiere ich, inwiefern  so ein Dorf, zurechtgemacht für solche Besuche, sinnvoll sein könnte, denn irgendwie fühlt man sich nicht so wohl, einfach in so ein Privatleben einzudringen. Ich jedenfalls nicht. Steffi beschreibt ein Beispiel in Tanzania wo ein echtes Dorf solch ein Musterdorf selbst verwaltet, dort kann man auch übernachten. Wir fahren zurück über Lodwar und essen ein spätes Picknick Mittagessen in einem Sandflussbett. Danach fahren wir zum Turkana Basin Institute, kurz TBI. Hier ist es rechts und links der Sandpiste sehr trocken, ideales Terrain für Kamele. Wir kommen an einer Herde vorbei und fragen, ob man Bilder machen kann. Das gestattet uns der Hirte nicht, vielleicht hätten wir einfach nicht fragen sollen. Auffallend ist die Form einer Akazienart, der Gummiarabikumbaum, aus dem man Gummi Arabicum macht. Als wir uns dem Turkana Basin Institute nähern gibt es auch richtig große Bäume Gummi Arabicum und den perfekten Sonnenuntergang dem man vom TBI mit Blick auf den Turkwel Fluss hat. Das ist klassische Sundowner Situation, die Kühlbox hat noch ein paar Biere auf Eis. Unsere Getränkeversorgung ist makellos, wenn auch nicht immer Bier, Wasser gibt es unendlich viel und das ist auch sehr wichtig. Das Institut ist ja eigentlich ausgerichtet auf Studenten und Forschende aus dem Bereich der Archäologie und Geologie, mehrere große Bungalows mit jeweils 3 oder 4 Zimmern. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad und eine Toilette und jede Menge Veranda ums Haus herum. Man hatte bereits entschieden, wir schlafen auf eben dieser Veranda, jeder in einem Teil, nicht sichtbar für den Nachbarn. Es ist so heiß, das scheint eine gute Idee zu sein und wer wacht nicht gerne in der Natur auf. Im Hauptgebäude ist das Abendessen angerichtet. Hier essen wir zum ersten Mal Fisch aus dem Turkana See. Die Abende sind kurz, wir gehen früh zu Bett, die Touren sind nett anstrengend und wir sollen ja wieder früh raus. Der Vollmond ist noch fast voll, schon etwas eierförmig.

TBI http://www.turkanabasin.org/


03/06/2015 Lodwar, Kalokol, Lake Turkana, Ferguson GolfDoum Palmen beim TBI 2

Ein wunderbares Aufwachen auf ‘meiner‘ Veranda. Die Sonne geht auf hinter den Akazien, mir ist nach Liegenbleiben, wenn doch nur die Zeit stillstehen würde. Leider stellt sich bei mir ein ziemlich akutes Bauchkneifen ein, aber das geht ja nicht, krank werden. Ich besuche das Örtchen an die sechs mal und habe dann endlich Ruhe. Das Frühstück hat einen Hauch vom Amerikanischen, Cornflakes und Erdnussbutter, das gab es bislang noch nicht. Heute sollen wir einen Crashkurs machen in Archäologie. Dazu gehen wir ins angrenzende Gelände und dort wird uns gezeigt, wie man einen Stein von einem Knochen unterscheidet. Wir können das im Laufe der Zeit so halbwegs und es ist spannend. Wir finden auch Zähne von Krokodilen und ein kleines Stück von einem Steinwerkzeug. Unser Führer spricht leider nicht sehr gut Englisch, ich verstehe nicht mal die Hälfte. Wenn man das Touristen anbieten möchte, dann muss man daran sicherlich noch etwas feilen. Aber im Moment sind die darauf ja gar nicht eingestellt, es soll deswegen auch keine Kritik sein. Interessant sind die vielen runden Formationen im Geröll des Ausgrabungsortes. Das war mal alles ein Fluss, so verstehe ich, aber wie gesagt, das Englisch unseres Mwalimu (Lehrer) ist nicht doll. Wir gehen hinunter zum Turkwel Fluss, hier sehen wir nun zum ersten Mal aus der Nähe, vorher waren die nur aus der Ferne zu bewundern, als der Turkwel parallel zur Strasse floss, die hohen Doum Palmen. Der Sand vermittelt einem das Gefühl von Ozeanstrand, es ist fast unwirklich, in dieser Gegend, auf solchem Sand zu laufen. Im Flussbett des Turkana begegnen wir Ziegen und ein paar kleine Mädchen holen Wasser aus einem Wasserloch im Fluss. Das sieht zuerst sehr schlammig aus, allerdings, wenn die das Wasser von der Oberfläche abschöpfen, ist es erstaunlich klar. So wird es Plastiktasse für Plastiktasse in den gelben Plastikkanister gefüllt der früher mal 20 Liter Kochöl beinhaltete und ich frage mich wie das mit Kalebassen oder Ledersäcken in der Vergangenheit wohl gegangen ist. DeKnochenreinigung im Labor  Turkanaboyr Fortschritt ist auch hier nicht aufzuhalten. Im Institut zeigt man uns den Raum mit den ‘Heiligtümern‘ der Archäologie, wobei wir in den Safe Raum doch nicht hineindürfen, das geht nur, wenn der oberste Boss dabei ist. Wir betrachten jedoch so allerhand Knochen von den verschiedensten Tieren, der Spezialist hätte sicherlich seine wahre Freude hier. Wir gehen auch ins Labor wo man uns vorführt, wie die Funde gereinigt werden, mit Luftdruck, sieht ein bisschen aus wie beim Zahnarzt, das Gerät zum Zahnstein entfernen. An so einem ‘dreckigen‘ Knochen kann ein Laborant gut mehrere Wochen sitzen.  Toll ist auch das Bücherregal im Hauptgebäude. Dort findet man alles über Flora und Fauna, und so einiges über das Land Kenia. Ach, wenn wir doch nur mehr Zeit hätten, da würde ich gerne mal länger sitzen, mit diesen Büchern und stöbern. Zeit zum Aufbrechen, vorher gibt es noch mal einen Tee mit etwas Gebäck, meinem Bauch geht es gut. Keine Frage, ich kann reisen. Zurück nach Lodwar, dieselbe Piste, leider sind die Kamele nicht mehr da, ich hätte doch gerne noch ein Bild von einer größeren Herde gehabt. Lunch ist in der Ceamo Prestige Lodge. Ich finde den Namen verwirrend, Hotel wäre eher angebracht. Das Hotel richtet sich in erster Linie an Geschäftsreisende. Wir schauen die Standard- und Älteste bei Standing Stones 5die Superiorzimmer an und schauen uns in einem Neubau um, wo weitere Zimmer angebaut werden. Wir raten der Besitzerin und Managerin, Cecilia Ngitit, von Teppichboden ab. Mir gefallen diese Zimmer nicht so gut, der Platz ist eigenartig genutzt, die neuen Zimmer haben recht hoch angesetzte Fenster, besser wäre gewesen eine Tür zu haben, wo man hinaustreten kann, vor sein Zimmer. Na ja, über Geschmack und Bedürfnisse lässt sich streiten. Aber, alles scheint sauber und ordentlich, für die Durchreise geeignet, oder als Basis für Tagesausflüge, denn Lodwar ist schon ein zentraler Punkt, wir kommen in dieser Woche dreimal hier durch. Wir fahren in Richtung Kalokol am Turkanasee, doch auf dem Weg dahin gibt es noch eine weitere Stätte mit ähnlichen Standing Stones und auch hier hören wir die Geschichte. Die ist ähnlich derer von Lokori, jedoch ist hier der Fremde ein Wesen mit einem Schwanz. Auch hier lachen die Tanzenden und werden daraufhin zu Stein. Die Steine hier sind imposant und groß und viele sind rund, wie Säulen. Die Stätte ist traditionell noch immer ein Ort für Zeremonien, an so etwas teilzuhaben ist sicherlich nicht möglich. Man muss auch nicht alles touristisch vermarkten. Kalokol ist nicht mehr weit. Wir laden unser Gepäck ab im Gästehaus mit dem Namen Dailun. Wir wollen jedoch noch an den Strand des Sees bevor die Sonne untergeht. HierAuf dem Weg zu Ferguson's Gulf 7 fotografieren wir die ersten Flamingos, Pelikane und Austernfischer. Die Fahrt zu der Bucht ist ein richtiger Höhepunkt. Breite Sandstrandpiste, ein Weg ist nicht zu erkennen, nur Reifenspuren der vor uns dagewesen Fahrzeuge, in erster Linie vermutlich Mororräder. So fahren durch die Doum Palm Landschaft, vorbei an kleinen Hüttensiedlungen, an Fußball spielenden Kindern und dann erreichen wir die Bucht, Ferguson Golf. Oh wenn es doch nicht so stinken würde. Es ist ganz eindeutig und ohne Frage, hier ist ein Riesenklo. Das weht einem um die Nase, man sieht es auch, wir laufen ein bisschen den Strand entlang. Es ist wunderschön hier, aber wie gesagt, riecht nicht gut. Das Glas bleibt aber weiterhin halb voll. Die Weite des Sees ist beeindruckend, hier hat es mal ein Hotel gegeben (80er Jahre?), die Reste eines früheren Swimmingpools sind noch zu sehen. Ein schöner Ort, aber hier muss man aufräumen, Toiletten bauen und die Bevölkerung in Sachen Hygiene informieren. Traumhaft geht mal wieder die Sonne unter und wir fahren mit dem Boot zurück nach Kalokol, wo wir in unsere Zimmer einchecken und dann später köstliche, ganze gegrillte Fische essen. Es gibt wieder reichlich auf der Tafel, ich glaube man hat mit der doppelten Anzahl an Gästen gerechnet. So, und ab hier verlässt uns eigentlich, wir wissen es noch nicht, fast jegliches Telefonsignal und auch Internet wird nicht mehr möglich sein. Dies bleibt dann so bis zum Ende der Tour. Ich beschwere mich bei Safaricom, zumal wir im Dailun Hotel fast unter dem Safaricom Masten sitzen. Gerne würde ich wissen, ob es dann irgendwann gerichtet wurde. Auch das kenne ich von Lamu ganz gut, diese Firmen denken wohl manchmal, man käme in Hinterturkanien auch ohne den Service aus. Hauptsache die Metropolen haben ihn.

Von der TBI Webseite zum Turkwel Fluss
http://www.turkanabasin.org/2015/02/rivers-past-and-present/
 

04/06/2015 Kataboi Beach, Eco Lodge, Nariokotome, Mission, Omo Delta

Heute geht es zum Kataboi Strand. Wir fahren wieder durch bereits vertraute Landschaft mit Gummiarabicumbäumen und ‘Heidekraut‘, wir bewegen uns parallel zum See, die Dünen sind zu sehen. Kurz vor unserem Zwischenziel kommen wir aTurkanasee-blickn einer riesigen Kirche vorbei, ungewöhnlich in dieser Landschaft, ich halt es mit der Kamera fest. Wir sind jedenfalls ganz nah dran am Strand und unser Landcruiser bleibt im Sand stecken. Das wird schnell behoben, wir wollen baden, zum ersten Mal dieses Wasser erleben. Kein Mensch scheint dort zu sein, nur wir, die Autos und der Turkana See. Das Wasser ist faszinierend weich, sofort fühlt man sich leicht eingecremt an. Tief ist es nicht, aber weiter drin, bei circa 20 Metern, zieht auch etwas eine Strömung, finden Steffi und ich. Wir haben das später nicht weiter erörtert. Jetzt wo ich dies schreibe, frage ich mich wieder, warum es einen hineinzieht, es gibt doch keine Tide im See? Wir haben unseren Spaß im Flachen, in diesem riesengroßen Planschbecken. Danach laufe ich den Badeanzug trocken und begegne nur einer Ziege und einer älteren Frau, die begibt sich ans Ufer und wäscht sich dort. Vielleicht gibt es doch ein Dorf in der Nähe. Schön ist auch wieder die Dünenlandschaft und dieser See, mit der Weite des Meeres. Wir besuchen die Baustelle einer Eco Lodge, die das Tourismusministerium dort baut. Auf dem Bauschild steht Lokitoeangaberu Beach., Kataboi. Ich glaube keiner von uns war wirklich    
angetan von den Gebäuden. Kleine Räume, alle nicht mit Blick auf das Wasser, irgendwie fehlt dem ganzen der Charme dieser Umgebung. Den kenianischen Touristen, vielleicht auch Leute, die zu einer Konferenz zusammenkommen, die kann man vielleicht damit ansprechen. Ein Europäer wäre sicherlich etwas enttäuscht von dieser Strandanlage. Ich merke wie ich immer wieder Probleme habe solche Dinge mit kenianischen Augen zu sehen. Auch der Teppichboden in dem Hotel in Lodwar war so ein Fall. Nach dem ersten richtigen See Erlebnis fahren wir weiter nach Nariokotome. In dieser Gegend sind die Hütten etwas anders gebaut, die Türeingänge sind höher, die Palmblätter sind anders gebunden, die Form ist etwas eierförmiger, nicht so breit. In der Mission von Nariokotome, Missionary Community of Saint Paul the Apostle, werden wir in einem privaten Haus empfangen, wo der Besitzer zur Zeit nicht in Kenia ist. Hier teilen wir uns zu zweit ein Zimmer, Duschen und Toilette sind jeweils auf dem entsprechenden Stockwerk. Es erinnert mich an eine Jugendherberge. Meine Zimmermitbewohnerin wird Shemmy. Das Mittagessen ist beeindruckend, fast alles kommt aus der eigenen Produktion: Gemüse, Salat, Ricotta, Zitronensaft, selbstgebackenes Brot mit sehr leckerer Kruste (ich glaube aus dem Holzofen). Father Antonio, ein Spanier, ist der Boss hier und mit ihm sind zwei Frauen und  einige junge Männer, allesamt in den verschiedenen Projekten dieser Mission tätig. Scholastica, ist die eine, sie ist Krankenschwester und ist mit mobiler Klinik oft unterwegs, im argen Notfall, und wenn der Patient sehr abgelegen wohnt, kann Antonio auch mit der Cessna hinfliegen. An der Wand hängt eine beeindruckende Landkarte der Region, die vielen vielen Punkte weisen auf Dämme, Brunnen, Schulen, Krankenstationen und anderen Einrichtungen hin. Die Mission ist sehr involviert im Turkanaland. Lange wollen wir uns aber nicht aufhalten, denn das Nachmittagsprogramm ist lang und wir könnten um 19:00 die Messe in der Missionskirche besuchen. Der See ruft, wir wollen ins Omo Delta zu den Krokodilen und die Sonne geht ja bekanntlich früh unter. Wir treffen unsere beiden sehr potenten Schnellboote mit jeweils 100 PS Aussenbordern. Faszinierend wie die so steil, mit dem Bug aus dem Wasser, durchs Wasser gleiten. Der See ist ruhig, von Hardy erfahren wir, wie windig es manchmal sein kann, oftmals morgens. An dieser Stelle ist der See jedenfalls weniger grün als braun und je näher wir dem Delta kommen, umso brauner scheint das Wasser zu werden.Auf dem Weg zum Krokodil Krater 3Wir haben Westen an und ich bemerke, dies sind keine adäquaten Rettungswesten, es sind nur ‘floating devices’ und ich nehme mir vor, dies mit dem Management der Lodge, die Boote gehören Lobolo Camp, wo wir am kommenden Tag sein werden, zu erörtern. So begeben wir uns also mit circa 30 km/h (eigentlich sollte man das in Knoten ausdrücken) Richtung Äthiopischer Grenze, auf jedem Boot Kapitän, Guide von der Lodge, unser Sicherheitsbeauftragter und wir Gäste. Ein drittes Boot ist vom KWS mit drei Rangern an Bord und den Fahrern unserer Autos. Schön sind wieder die Berge am Horizont, also ist in so ein tolles Licht getaucht, ein bisschen diesig und überbelichtet. Die Größe des Sees kann man kaum erfassen, er ist wohl an der längsten Stelle 290km lang und an der breitesten 30km breit, Die durchschnittliche Tiefe liegt bei 30m und die tiefste Stelle ist 109m. Diese Zahlen kommen aus der Englischen Wikipedia, bei den Deutschen ist der See etwas kleiner. Dieses Weltkulturerbe hat natürlich auch seine Bedrohungen, siehe unten der Wikipedia Hinweis. Wir nähern uns offensichtlich dem Rande des Sees, der Seite, die an Äthiopien grenzt. Wir können bereits Schilfpflanzen erkennen, doch ans Ufer sollen wir nicht kommen, denn, und das ist wirklich ein großer Schreck, es wird auf uns geschossen oder es werden Warnschüsse abgegeben. Dieses führt dazu, dass wir uns alle flach auf den Boden der Boote legen, alle bis auf Kapitän und Sicherheitspersonal. Was mir eine ganze Weile nicht klar ist, auch unser Sicherheitsmann schießt, und zwar viel und laut, alles direkt neben meinem Ohr, das fühlte sich so an, als würden wir jeden Augenblick durchlöchert, Boot und Inhalt. Der Kapitän hat oder die Kapitäne haben jedenfalls gut reagiert, die Boote sofort rumgerissen um zurückzufahren bis wir außerhalb der potentiellen Schusslinie sind. So kommen wir alle zum  Stehen und es gibt ein paar bange Minuten, ob denn auf den anderen Booten alles gut ist. Ich bekomme einen Schreck, unser Kapitän hat Blut auf der Weste, ein Streifschuss ist es aber nicht, er hatte sich das Kinn verletzt beim Rumreißen des Bootes. Ein doofer Fehler, beide Funkgeräte sind auf einem Boot anstatt auf unseren beiden Booten verteilt zu sein. Insofern gibt es diese bangen Minuten bis die Boote sich annähern und wir feststellen, dass alle heil und unversehrt sind. Tja, was für ein Nachmittag, die Krokodile können wir abhaken. Was für ein Erlebnis, nAm Rande des Flamingo Kraters, Blick in die Bucht und in Richtung Northern Islanda ja, verkaufen kann man diese Tour so nicht. Später diskutieren wir das natürlich ausgiebig. Irgendjemand hatte wohl die abgegebenen Schüsse gezählt und kam auf circa 60. Wir fahren zurück an den Ort, wo die Autos geparkt warten. Es ist bereits dunkel, fast 7 als wir in der Mission ankommen. Die Messe schaffen wir noch und damit haben wir auch einen ersten Eindruck von der Kirche mit ihren schönen bunten Kitengela Glasfenstern, Darstellungen der Apostel, die Nani Croze kreiert hat. Das Abendessen ist auch wieder toll, hier können wir ordentlich das Olivenöl über das Brot träufeln, köstlich mit Tomate und Salz nach guter Spanischer Bauernart. Vater Antonio unterhält die Runde, es wird schnell klar, seine Passion ist das Gärtnern. Er hat schon so viel ausprobiert, nicht alles ist was geworden, aber manches hat Erfolg. Seinem Wein geht es gerade nicht so gut, er forscht noch, woran es liegt, jedenfalls ist der Weinkeller schon fast fertig. Olivenbäume haben sie, die tragen jedoch nicht, oder die Oliven werden nicht reif, denn dieser Baum braucht wohl Frost. Das Thema Dattelpalme ist mit am interessantesten, denn die haben weibliche und männliche Pflanzen und die müssen bestäubt werden. Dann gibt es noch das Problem des Schädlings, aber man lernt und die Ernten bislang waren recht gut. Der Plan für den kommenden Morgen. Vier von uns könnten mit Antonio und seiner Cessna zu einem der Dämme fliegen, die anderen würden die Tour durch die Mission machen. Auf der Dachterrasse unseres Gästehauses losen wir aus. Die Jungens fliegen, die Mädels machen die Tour durch die Gärten, Stallungen und den Weinkeller. Aber das kommt am nächsten Tag. Meine, und die meiner Zimmermitbewohnerin, Nachtruhe wird jäh unterbrochen um etwa 3 Uhr, ich werde von irgendetwas gebissen oder gestochen, so schnell war ich noch nie aus dem Bett. Shemmy macht das Licht an und es ist klar, ein Skorpion hat mich in den linken Daumen gestochen. Sehen können wir ihn nicht. Shemmy hat eine Salbe, die sie mir da draufreibt, das Massieren ist nicht so angenehm und das Herauspressen des Giftes tut auch zu weh. Ich finde, ich sollte es dabei belassen und wir drehen das Bett von unten nach oben, schauen in jede Ecke, kein Skorpion. Shemmy meint, die sind nach dem Stich eigentlich wie erstarrt. Dann als ich das Netz wieder unterstecken will, da sehe ich ihn, auf der Innenseite meines Netzes sitzt er. Der lebt nicht mehr lange, den machen wir platt. Ich kann sogar irgendwann wieder einschlafen, es ist nicht so schlimm, ich finde interessant, dass ich nun endlich weiß, wie es sich anfühlt. Denn gesehen habe ich diese Tiere schon häufiger, auch in Lamu, manchmal sogar im Badezimmer und Licht mache ich nachts nie an wenn ich mal raus muss.

The Sibiloi National Park:  http://www.sibiloi.com/fauna_flora.htm

05/06/2015  Nariokotome oder Turkana Boy, Northern Island, Central Island, Lobolo Camp

Nach dem Frühstück, die Männer sind bereits mit der Cessna unterwegs, und zwar ohne Frühstück, werden wir durch die Mission geführt. Es ist ein interessanter Versuch der Landwirtschaft, nicht alles hat Erfolg. Turkana ist ja kein Agrarland und man kann nur mit Versuch und Irrtum und allerlei Rat aus allen möglichen Ecken, die verschiedenen Dinge ausprobieren. Es ist jedoch interessant zu erleben, das war am Abend davor, wie passioniert Antonio da herangeht und nicht aufhört zu versuchen dieses und jedes zum Wachsen zu bringen. Er scheint Misserfolge gut wegzustecken, dabei hilft ihm vermutlich auch sein Glaube. Wir betrachten Papaya (köstliche Sorte, die ich als Hawaii Papaya kenne), Mangos, Wein (ja, der Weinkeller ist schon gebaut aber noch nicht eingerichtet), Olivenbäume, die leider nicht tragen, denn die brauchen vermutlich Frost, Gemüse wie Mangold und Blattkohl. Antonio hatte uns am Vortag von den Dattelpalmen erzählt. Die sind wirklich wunderschön, ob sie tragen oder nicht. An Tieren gibt es Kühe, und zwar die Friesische Schwarzbunte, eine Mutter mit Kälbchen sogar. Des weiteren ein paar Esel, Hühner und Enten, letztere haben sogar einen Teich. Wir gehen auch durch die Metallwerkstatt, da werden Fahrzeuge repariert und auch die Tischlerei besuchen wir. Es gibt einen generösen Spender in Deutschland, dem hat man auch die Halle gewidmet, der schickt ihnen immer wieder ausgediente, veraltete Maschinen und allerlei anderes, ganze Container voll. Mir scheint, nicht alles kann eingesetzt werden, aber es ist eine sehr anschauliche Sammlung. Zum Abschluss gehen wir noch in die Schule, eine Grundschule mit vier Klassen und vier Lehrern. Wir werden mit der Geschichte der Schule begNani Croze Fenster der Missionrüßt, die eine Klasse gemeinsam, auswendig aufsagt. Das kommt raus wie aus der Maschinenpistole. Auffällig ist, dass in einer Klasse so viele verschiedene Altersgruppen sind, das liegt vermutlich daran, dass das Einschulungsalter unterschiedlich ist. Viele Kinder im Turkanaland gehen gar nicht zur Schule und wenn die Eltern sich dann doch später für Schule entscheiden, dann ist das einzuschulende Kind eben entsprechend älter. Hier soll jedenfalls auch noch angebaut werden, ein Speiseraum, die Kinder bekommen nämlich drei Mahlzeiten am Tag, sicherlich sehr wichtig. Und man erzählt uns auch, dass so manches Schulkind bereits morgens um 6 Uhr losgeht von zuhause, um pünktlich in der Schule zu sein. Das ist ein strammer Tag für die Kleinen. Die Lehrer kommen allesamt aus Upcountry Kenia wie man hier immer so sagt, ein Paar ist verheiratet, die scheinen sich für das Leben fern der Heimat festgelegt zu haben. Ich habe Probleme mir vorzustellen, wie das alles finanziert wird, dieser ganze Missionsapparat.  Wir haben dann noch einmal Gelegenheit, die Kirche zu besichtigen, die Jungs sind zurück, diesen Teil der Tour teilen sie also mit uns. Dieses Bauwerk ist sehr schön gestaltet und mit den Fenstern aus Glas (Kitengela, Nairobi) hat sie eine schöne Athmosphäre. Beindruckend ist auch der Altar in der Hauptkirche - es gibt im Seitenflügel eine kleine Kapelle für die kleinen Messen,, da waren wir am Vorabend – dieser Hauptaltar ist ein riesiger Stein. Ich habe die Geschichte dazu nicht mitbekommen. Der Bau der Kirche hat viele Jahr gedauert, immer wenn Geld da wa, dann wurde wieder weitergemacht und so ging es über viele Jahre. Es gibt den Gedanken, hier eine feste Einrichtung zu schaffen für interessierte Touristen, mit Übernachtung und Verpflegung. Sicherlich ein interessantes Angebot für den interessierten Reisenden. Abschied von der Missionsstation und wir fahren, das ist eigentlich direkt nebenan, zum Monument des ‘Turkana Boy’ der Fundstelle eines Homo Erectus von vor 1.6 Mio Jahren. Das Gelände ist eingezäunt, Schrifttafeln in dreiturkanasee-kenia Sprachen, Englisch, Kiswahili und Kiturkana, erklären den Fund, das Monument wird demnächst offiziell eröffnet werden. Wir stehen dort eine Weile und beschäftigen uns mit diesem Fund, mit dem, was uns als Menschen ausmacht, mit dem aufrechten Gang, mit dem Aussterben anderer Arten, damit was wir heute sind und damals waren. Hier gehören wir jedenfalls alle irgendwie hin, das ist ja auch der Slogan vom Turkana Tourismus, ‘Welcome Back Home‘. Am Ausgang warten schon die verschiedenen Händler mit ihren Produkten. Dort gibt es die typischen Accessoires für Männer, Headrest, Stock, Wrist Knife. Letzteres erstehe ich hier, viel zu teuer aber mir ist das eigentlich egal. Ich würde für KSh 1.000 nicht auf einem Metall rumhämmern um es in diese Form zu bringen und es dann noch mit Leder zu umranden. Es wird spät, wir sollten eigentlich schon längst auf dem Boot sein, aber ohne diese Verspätung, na ja, dazu später. Das Ziel des Tages ist Lobolo Camp, auf dem Weg dahin fahren wir erst zu Northern Island und dann zu Central Island. Northern Island ist ein Platz, wo Fischer ihren Fang trocknen und ihn dann auf den Markt bringen. Es gibt Tilapia, Nile Perch, dog fish, cat fish. Nichts für mich, nichtAbfahrt von Central Island Turkanasee im getrockneten Zustand, aber so kann man ihn halt, ohne Kühlung, lange aufbewahren. Das ist jedenfalls sehr beindruckend, überall liegen die aufgeklappten Fische in der Sonne, wenn sie trocken sind, dann werden sie fachgerecht gestapelt. Ein kleines Detail, es gibt hier sogar eine kleine Kapelle in einer kleinen Hütte, wir schauen durch das Gitterfenster, dort ist eine schwarze Madonna. Wir umfahren die Insel und machen uns auf den Weg zu Central Island, der Magen meldet sich, Mittagessen wird sicherlich sehr verspätet gereicht, denn die Insel ist eine Fahrt von circa 1.5 Stunden. Man kann sie noch nicht einmal sehen, so weit sind Northern Island und Central Island voneinander entfernt. Das Wasser ist jedenfalls wieder sehr schön ruhig, die Boote sind irrsinnig gut gebaut, man bekommt kaum ein Spritzer ab und die liegen so toll steil im Wasser. Macht guten Fotovordergrund, das verdrängte Wasser auf der Seite der Boote. Beschossen werden wir heute nicht, das war auch wohl ein einmaliger Fall, diese Ecke der Turkana ist sicher. Wir kommen gerade noch rechtzeitig auf der Insel an, bevor die Sonne untergeht. Wir wollen auch nochLobolo Camp Zelt zum ersten Kraterrand hinaufsteigen, zu dem Flamingo Krater. Das geht schön steil nach oben, die Tatsache, dass es danach unser Mittagessen geben wird, spornt ungemein an. Die Aussicht auf den Krater ist faszinierend. Meine Kamera kann allerdings die Flamingos nicht ranzoomen, zu weit weg. Toll ist das Spiegelbild des gegenüberliegenden Kraterrandes im See. Nach einer kurzen Fotosession steigen wir ab, unten wartet ein tolles kaltes Buffet mit Nudelsalat, Brie (!), Brot & Butter, Äpfeln und Mandarinen. Ich hatte alles erwartet, nur keinen Brie. Das ist also ein Vorgeschmack auf Lobolo, das exklusivste an Unterkunft in dieser Woche. Die Mahlzeit tut gut, unsere ‚Jungens’ hatten ja nichts im Bauch seit dem frühen Abflug um 06:30. Mit den Booten fahren wir ein Stückchen um die Insel herum, den zweiten Krater zu besuchen, den Krokodil Krater. Leise sollen wir gehen, Krokodile nicht stören. Der See liegt sehr idyllisch, wieder spiegeln sich die Berge im Wasser des Kratersees, Krokodile sehen wir nur in der Ferne, am anderen Ufer. Oh hätte ich doch eine bessere Kamera oder zumindest ein Stativ, die vielen nistenden Vögel auf der einen Uferseite, ich kriege das nicht fotografiert. Es ist jedenfalls wunderwunderschön hier und ein Schild deutet darauf hin, man kann hier auch campen, ein Platz von KWS, mit eigenem Campingequipment allerdings. Arrangements gehen über das KWS Büro in KobolTurkanan Central Island, während Abfahrt aus Loboloo. Das Licht ist jetzt perfekt, das Blau des Sees und das Blau des Himmels ist regelrecht eins. Wir fahren in den Sonnenuntergang hinein, Lobolo Camp und die Lobolo Swamps liegen der Central Island gegenüber, die Sonne geht golden unter, wir verpassen den Sundowner aber das kann man gerne opfern für dieses tolle Szenario auf der Insel. Lobolo Camp erwartet uns mit Lichtern auf der Uferseite, es gibt kein einziges Licht sonst, mir ist keines aufgefallen, einfach Afrikanische Nacht, unberührt. Super. Der Campmanager Steve empfängt uns und wir werden teilweise in Zweier- oder Einzelzelten untergebracht, alle Zelte sind jedoch Doppel. Joyce, die Besitzerin, werden wir erst am kommenden Morgen treffen, Steve und der Bruder von Steve, dessen Namen ich nicht mitbekommen habe, kümmern sich um uns. Es gibt ein Messzelt, nur überdacht, alle Seiten offen und daneben ist eine Bar aufgebaut. Auf Safaristühlen trinken wir zum ersten Mal Wein auf dieser Reise. Eine Tanzgruppe aus dem Nachbardorf kommt tanzend und singend aus der Dunkelheit und dann geht es aber sehr zur Sache, eine sehr ausgiebige Vorführung. Die Frauen sehen sehr authentisch aus mit ihren Lederkleidern und auch die Männer tragen ihren Kopfschmuck aus Straussenfedern. Wer will, darf mittanzen. Die Umgebung werden wir am kommenden Tag erkunden. Jetzt gibt es nur noch Wein, Tanz und Abendessen. Alles sehr gediegen.

Turkana Boy
https://de.wikipedia.org/wiki/Turkana_Boy
Mission: www.mcspa.org und die hiesige Diozöse ist die von Lodwar, Kenia. nariokotome@mcspa.org
Der Gründer der Missionsgemeinschaft (dann der lange Name), P. Francisco Andreo, schrieb zu nserer Prieserweihe ein kurzes Gedicht mit dem Titel ‚Frei sein um Gutes zu tun’. In der neuen Missionsstation, die wir am Trockenfluss Nariokotome aufbauen sollten, wollten wir diese Freiheit erproben, um ein Stück Himmel auf Erden zu schaffen. Im konkreten Fall bedeutete es, dass wir einen „Garten Eden“ in der Wüste anlegen wollten.

06/06/2015 Lobolo Camp, Lobolo Swamps, Eliye Springs

Es ist wunderbar, im Zelt zu schlafen. Warum können wir nicht einfach eine Woche lang hier bleiben? Der Flamingos im Sumpf 3Sonnenaufgang direkt am See ist mal wieder spektakulär. Wir bekommen im Messzelt einen ‘early morning coffee/tea’ und erkunden dann zu Fuß die Lobolo Sümpfe. Parallel zum See, auf der einen Seite das Wasser, auf der anderen die Dünen. Ruhig nähern wir uns den Flamingos, um sie nicht aufzuscheuchen. Die Doum Palmen bieten uns Schutz. Faszinierend sind die Bewegungen der Flamingos als Gruppe, sie bewegen sich immer zusammen in die eine oder die andere Richtung. Einem Schwarm Fische nicht unähnlich. Ein schöner Ort ist dieser Sumpf und natürlich könnte man auch hier wieder stundenlang sitzen, schauen, fotografieren. Aus dem nahen Schilf kommen Grunzgeräusche und James vermutet sogleich Hippos. Ich denke, der spinnt doch. Steve, der Manager von Lobolo, hat hier noch nie welche gesehen. Aber es wird dann irgendwann eindeutig, die Geräusche und dann sehen wir auch Fußabdrücke, mehr als ein Hippo befinden sich im Schilf. Die lassen wir jedenfalls schön in Ruhe und begeben uns Richtung Strand und wandern so zum Camp zurück. In einer kleinen Lagune reparieren Fischer ihr Boot, fotografieren sollen wir nicht, ich mache nur ein Bild von dem schwarz-weiß gestreiften Kanu und höre das Schimpfen von weitem. Das Frühstück ist köstlich und wir treffen Joyce,Meine Boma in Eliye Springs die Besitzerin. Die erzählt sehr lebendig von den Ups und Downs und davon, dass sie eine Weile geschlossen hatten, dass das Wasser des Sees so hoch wurde, dass sie die Zelte nach hinten verlagern mussten. Sie berichtet auch, dass sie alle möglichen Touren anbieten, inclusive ins Omo Delta, wo wir ja leider umkehren mussten. Sie meint jedoch, ihnen sei dort noch nie etwas passiert, sie pflegen ein gutes Verhältnis mit den Einheimischen dort und sind immer willkommen. Also, mit Lobolo könnten man organisieren eben diesen Ausflug, eventuell sogar mit Campen, zu machen, auch Campen auf Central Island, welches ja direkt gegenüber liegt. Leider brechen wir auf, wir schauen uns noch die Frischwasserquelle an und dann geht es per Auto an eine andere Stelle am See, Eliye Springs. Aus erhöhter Position sehen wir noch einmal die Bucht vom Lobolo Camp, Central Island. Auf Wiedersehen. Eliye Springs ist eine Anlage, die aus mehreren lokal gebauten Stelzenhütten besteht, die Häuschen sind im Stil der Turkana Bomas gebaut. Jede Boma hat eine kleine Veranda, ein Schlafzimmer und ein Bad mit Dusche und Toilette. Jede Boma hat einen Zaun drumherum, das kleine Tor ist abschliessbar, das Zimmer nicht. Es ist leider etwas vernachlässigt, Hardy bemerkt sofort, es ist nicht mehr so in Schuss wie im vergangenen Jahr, der Besitzer war nicht anwesend, die Managerin auf Urlaub. Aber, auch dort, alles war vorbereitet, teilweise gab es Doppel- und  auch ein paar Einzelbomas allerdings hatten wir alle kaputte Stellen an unseren Moskitonetzen, das haben wir reklamiert und es wurde gerichtet nach mehrmaligem Nachfragen. Das MStürmischer Morgen Eliye Springsittagessen haben die meisten von uns übersprungen, das Frühstück in Lobolo hielt noch vor und wir waren dort auch recht spät zu Tisch gegangen. Wir erkunden noch zwei weitere Plätze in der Nachbarschaft von dieser Lodge, und zwar zwei Campingplätze, wo man entweder mit seinem eigenen Equipment campen kann oder Zelte mieten kann. Es handelt sich dabei um Napak Tented Camp und Kristine Camp. Das ist etwas für Budget Reisende, ich käme damit zurecht. Das zweite ist etwas bessere, scheint einfach besser organisiert zu sein. Wir phantasieren, was man hier alles so veranstalten könnte, ein Musikfestival etwa, denn Kristine hat Zelte für etwa 600 Personen. Ein andermal. Den Nachmittag verbringen wir badend im See vor unserer Lodge. Jeroen, der Holänder, versucht Lawrence, unserem Kenianischen Kollegen, das Rückenschwimmen beizubringen. Ich glaube wir müssen noch mal kommen zu einem Fortgeschrittenen Kurs. Das Abendessen ist Fisch, was sonst, ganz lecker zubereitet mit Ingwer und wir beschliessen den Abend, und damit ja auch fast schon unsere Reise, mit dem Fußballendspiel Barcelona gegen Turin.

07/06/2015 Lodwar, Rückflug nach Nairobi
Die Nacht war eine stürmische, um 3 Uhr werde ich auf von wehenden Moskitonetzen geweckt, denn der Eingang der Boma ist auch so eine Konstruktion von Moskitonetz und Velcro, alles ist auf und weht im Wind. Das Wasser vom Turkanasee ist aufgewühlt, am nächsten morgen sehe ich Schaumkronen, der See hat sich in ein stürmisches Meer verwandelt. Zeit zum Packen, denn nach dem FrühstückTanz der alten Frauen ist Aufbruch. Vorher ist noch Gelegenheit, am Tor von den einheimischen Frauen Schmuck und Körbe zu erwerben. Sehr populär ist der geflochtene Untersetzer für Schüsseln und Töpfe, die gibt es immer als Paar. Ich glaube wir kaufen alle etwas, denn wir müssen, die sind extra für uns gekommen, haben alles schön aufgebaut.  Der Wächter der Anlage hatte eine aus Doumpalmenseil hergestellte Hängematte zu verkaufen, die haben wir für Hardy erstanden, damit er sich nach einer brilliant organisierten und geführten Tour in eben dieser Hängematte ausruhen oder abhängen kann. Wir fahren nach Lodwar und treffen dort noch die Friends of Lake Turkana (FOLT) und haben ein Gespräch mit Ikal Angelei, Direktorin dieser Organisation. Die haben sich auf die Fahne geschrieben die Umwelt des Turkanalandes zu schützen. Tourismus ist natürlich ein Faktor, der jetzt sehr zum Tragen kommen wird, denn mit den Touristen kommen natürlich auf Veränderungen und da will FOLT mitwirken, dieses zu lenken. Sie haben Pläne für Unterkunft, Camping oder Camp Lodge mit dem Angebot von Naturwanderungen und dergleichen. Wir müssen los, denn einige wollen noch zur Jesusstatur auf den Mission Hill beim Lodwar Flughafen und meine Gruppe möchte gerne Korbartikel kaufen. Beides gelingt, die einen klettern noch schnell, die anderen bringen ihr Geld unter die Leute. Schöne Sachen werden hier geflochten. Oh hätten wir doch Platz, diese riesigen und auch schweren Körbe mit Deckel, die man so herrlich als Wäschekorb benutzen kann, Einkaufskörbe in allen Größen und Farben und Stilen, Brotkörbchen, Platzsets und vieles mehr. Fly 540 ist verspätet, wir haben noch Zeit ein Getränk zu uns zu nehmen, dann checken wir ein und fliegen zurück nach JKIA. Das Ende einer sehr schönen, interessanten, spannenden und an einer Stelle viel zu aufregenden Reise. Ich denke, es hat uns allen gefallen, die Bilder im Kopf und im Herzen werden noch lange präsent sein. Danke Hardy und danke an das Team um Shemmy für diese tolle Organisation und dafür, dass sie uns einen Vorgeschmack gegeben haben, was man im Turkanaland erkunden und erleben kann.

http://www.friendsoflaketurkana.org/

http://www.friendsoflaketurkana.org/news/author/57-ikalangelei

Bemerkungen meiner Freundin Angelika Schütz aus Lamu:
Ich habe im Nachhinein versucht zu zählen wieviele Autos wir unterwegs getroffen haben, okay von Lodwar und Kolokol abgesehen, einfach so unterwegs. Ich glaube wir kämen da kaum auf 20, wenn ich ehrlich bin, komme ich nur auf 6 oder 8, aber das ist vermutlich nicht ganz richtig, insofern habe ich welche dazugebastelt. Turkana, wie so viele Orte, und das wird ihn auch schützen, ist nicht jedermanns Sache. Das darf auch gerne so bleiben, gefällt mir an Lamu auch. Ich denke man muss in diesen Anfangsjahren des Tourismus sehr darauf hindeuten, wie jungfräulich das hier alles ist und indem man nicht alles haben kann, Unberührtheit und Komfort, muss man Zugeständnisse machen. Turkana wird damit noch eine ganze Weile etwas sehr besonderes sein und ich würde mir wünschen, dass sie das erhalten können. Lenken kann man so etwas nur bedingt.

Wenn man  alles mit Lobolo Camp macht, dann hast man eine sehr exclusive Tour. Man muss aber auch sagen, die haben einiges anzubieten, die haben gute Boote und kennen sich scheints auch auf dem See gut aus.


Unsere Safari per Auto  auf der Webseite  ist  auch sehr  interessant, von Lake Bogoria kommend und die heissen Quellen besuchen, am Ende in die Samburu.